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Auferstanden aus Ruinen? Der Social-Media-Wahlkampf der Linkspartei.

  • Autorenbild: Alexander Roth
    Alexander Roth
  • 23. Feb.
  • 10 Min. Lesezeit

Heute um 18 Uhr schließen die Wahllokale. Eines steht bereits fest: Die totgesagte Linke wird nicht nur im Vergleich zur Bundestagswahl 2021 zulegen, sondern auch wieder in den Bundestag einziehen. Noch bemerkenswerter ist, dass sie hohe Stimmanteile bei jungen Wählerinnen und Wählern gewinnen wird.


Der Social-Media-Erfolg der Linken: Eine tiefgehende Analyse


Der Bundestagswahlkampf 2025 markiert eine tektonische Verschiebung in der politischen Kommunikation. Während traditionelle Medien immer noch eine Rolle spielen, hat sich der digitale Raum – insbesondere Social Media – als das entscheidende Kampffeld herauskristallisiert. Dabei sticht eine Partei besonders hervor: Die Linke. Entgegen vieler Prognosen wird sie nicht nur den Wiedereinzug in den Bundestag schaffen, sondern auch ihr Ergebnis im Vergleich zu 2021 verbessern. Besonders auffällig ist ihr Erfolg in der jungen Wählerschaft und unter Erstwähler:innen.


Doch was steckt hinter diesem digitalen Durchbruch? Welche Strategien hat die Linke genutzt, um eine massive organische Reichweite zu generieren? Und was können andere politische Akteure, Unternehmen und Organisationen daraus lernen?


1. Politische Kommunikation als Spiegel gesellschaftlicher Realitäten


Die Ausgangslage: Krise als Chance


Lange Zeit befand sich die Linke in einer strukturellen Krise: Innerparteiliche Konflikte, der Abgang prominenter Figuren wie Sahra Wagenknecht und wiederholte Wahlniederlagen ließen die Partei fast bedeutungslos erscheinen. Doch während viele die Linke abgeschrieben hatten, veränderten sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen – und sie nutzte diese Veränderungen strategisch:


- Zielgruppenorientierte Kommunikation: Die Linke erkannte, dass sich die politische Landschaft gewandelt hatte. Während viele junge Menschen frustriert über die Politik sind, bietet die Linke eine radikale, aber nachvollziehbare Alternative.


- Neue soziale Realitäten: Steigende Lebenshaltungskosten, zunehmende Unsicherheiten und eine wachsende Kluft zwischen Arm und Reich haben besonders bei jungen Menschen eine neue Wut entfacht. Die Linke schaffte es, diese Emotionen in politische Mobilisierung umzuwandeln.


- Die Rolle von Heidi Reichinnek: Sie wurde zur zentralen Identifikationsfigur der digitalen Linken. Ihre Art zu kommunizieren, ihre Authentizität und ihre klare Sprache machten sie zu einem Fixpunkt für viele junge Wähler:innen.


2. Die Zahlen: Digitale Dominanz im Wahlkampf 2025


Doch lassen wir die Zahlen sprechen. Ein Vergleich zeigt, wie deutlich die Linke den digitalen Wahlkampf dominiert hat. Hier verweisen wir auf folgenden Artikel: https://steadyhq.com/de/andreasrickmann/posts/cf1a7dd7-cc06-4186-8aaa-89b71b26649c


Warum sind diese Zahlen so wichtig?


- Extrem hohe Interaktionsrate: Die Linke erzielt mit Abstand die meisten Interaktionen, obwohl ihr Werbebudget im Vergleich zu anderen Parteien gering ist.


- Follower-Wachstum als Indikator für nachhaltige Mobilisierung: Während andere Parteien hauptsächlich in kurzfristige Werbeanzeigen investieren, wächst die Linke langfristig und nachhaltig – ein Zeichen für strategisch kluge Social-Media-Arbeit.


3. Der Erfolgsfaktor Heidi Reichinnek


Ein Name taucht immer wieder auf: Heidi Reichinnek. Sie ist das Gesicht der digitalen Linken und verkörpert eine neue Art der politischen Kommunikation. Ihre Zahlen sprechen für sich (2025):


- 771.786 Interaktionen auf Instagram

- 321.733 neue Follower

- 15 % Interaktionsrate – die höchste unter allen Spitzenkandidat:innen

- 45 Millionen Aufrufe ihrer Brandmauer-Rede über alle Plattformen hinweg


Warum ist sie so erfolgreich?


- Klarheit & Zuspitzung: Sie formuliert politische Inhalte klar, einfach verständlich und ohne technokratische Sprache.

- Hohe Emotionalität: Sie spricht mit Leidenschaft über Themen, die viele Menschen direkt betreffen – steigende Mieten, soziale Ungleichheit, politische Ungerechtigkeit.

- Algorithmusverständnis: Ihr Team versteht, wie Social-Media-Plattformen funktionieren. Ihre Inhalte sind oft so aufbereitet, dass sie von den Algorithmen bevorzugt ausgespielt werden.

- Direkte Zuschaueransprache: Reichinnek nutzt Formate, in denen sie direkt mit den Zuschauer:innen interagiert, was das Engagement deutlich erhöht.


4. Strategische Erfolgsfaktoren: Was steckt hinter dem Social-Media-Boom?


a) Plattformgerechte Inhalte: Maßgeschneiderte Ansprache für jedes Netzwerk

Die Linke setzt auf eine Kombination aus strategischer Planung, datengetriebenen Optimierungen und kluger Plattformnutzung. Dabei lassen sich sechs zentrale Erfolgsfaktoren identifizieren:


Jede Social-Media-Plattform hat ihre eigene Dynamik, Zielgruppe und Funktionsweise. Erfolgreiche politische Kommunikation erfordert daher eine gezielte Anpassung der Inhalte an die jeweiligen Plattformen. Die Linke hat dies frühzeitig erkannt und setzt konsequent auf unterschiedliche Content-Formate, um verschiedene Zielgruppen bestmöglich zu erreichen.


TikTok: Hier steht die schnelle, aufmerksamkeitsstarke Vermittlung politischer Botschaften im Vordergrund. Die Linke nutzt kurze, emotionalisierende Videos mit klaren Aussagen und einfachen, aber effektiven Erzählmustern. Humor, Popkultur-Referenzen und ein spielerischer Umgang mit politischen Inhalten sorgen dafür, dass Videos eine hohe Reichweite erzielen und organisch geteilt werden.


Instagram: Auf dieser visuell geprägten Plattform kombiniert Die Linke professionell gestaltete Grafiken mit interaktiven Formaten. Besonders hervorzuheben sind Kooperationen mit Influencern, die politische Inhalte in ihren Communities verbreiten. Zudem nutzt die Partei Instagram-Stories, Umfragen und Q&A-Formate, um ihre Follower direkt einzubinden und den Dialog zu fördern.


Twitter/X: Als Plattform für politische Debatten und Echtzeit-Kommunikation setzt Die Linke hier auf pointierte Kommentare, Reaktionen auf aktuelle Ereignisse und direkte Konfrontationen mit politischen Gegnern. Scharfe, provokante Tweets mit einem hohen Wiedererkennungswert sorgen regelmäßig für Aufmerksamkeit.


YouTube: Für tiefere inhaltliche Auseinandersetzungen und detaillierte Erklärungen nutzt Die Linke längere Videoformate. Von Interviews über Reportagen bis hin zu Analysen politischer Entwicklungen – YouTube dient als Plattform für die Aufbereitung komplexer Themen, die über kurze Social-Media-Snippets hinausgehen.


Diese strategische Differenzierung macht Die Linke zu einer der anpassungsfähigsten Parteien in der digitalen Kommunikation.


b) Algorithmus-Optimierung: Maximale Sichtbarkeit durch strategische Inhalte

Social-Media-Plattformen priorisieren Inhalte, die hohe Interaktionsraten erzielen. Die Linke nutzt dieses Wissen gezielt, um ihre Reichweite zu maximieren. Ihre Social-Media-Strategie ist darauf ausgelegt, den Algorithmus der Plattformen bestmöglich zu bedienen – mit Inhalten, die polarisieren, Emotionen auslösen und eine rege Beteiligung der Community hervorrufen.


Ein zentrales Element ist die bewusste Auswahl von Trigger-Themen – also gesellschaftliche oder politische Streitfragen, die besonders viel Engagement erzeugen. Egal ob soziale Ungleichheit, Klimakrise oder antifaschistische Positionen – Die Linke setzt auf Themen, die polarisieren und eine starke Reaktion hervorrufen.


Zudem werden Beiträge so aufbereitet, dass sie zu maximaler Teilen-Freundlichkeit führen. Das bedeutet: einfache, klare Botschaften, die auch ohne großen Kontext verständlich sind. So entstehen Inhalte, die oft geteilt werden und damit eine organische Reichweitensteigerung erfahren – ein effektiver Hebel gegen die Notwendigkeit hoher Werbebudgets.


c) Virale Mechanismen nutzen: Die Kunst des digitalen Moments

Eine der größten Stärken der Linken in der digitalen Kommunikation ist ihr Gespür für den richtigen Moment. Die Partei schafft es, politische Ereignisse in Echtzeit aufzugreifen und mit zugespitzten, kreativen Inhalten schnell viral zu gehen.


Dabei spielen Memes eine entscheidende Rolle – ein Format, das bei vielen Parteien immer noch unterschätzt wird. Durch humorvolle, zugespitzte oder ironische Beiträge gelingt es, politische Botschaften mit Unterhaltungswert zu verbinden und in digitalen Communities weiterzuverbreiten.


Die Linke nutzt außerdem geschickt virale Erzähltechniken, die sich an den Mechanismen populärer Internetphänomene orientieren. Sie setzt auf die Kombination aus aktuellen Themen, einem emotionalen Zugang und provokativen Formulierungen, die schnell die Aufmerksamkeit der Nutzer auf sich ziehen.


Während andere Parteien oft auf klassische Kampagnen mit langer Vorlaufzeit setzen, ist Die Linke in der Lage, flexibel und schnell auf gesellschaftliche Debatten zu reagieren – ein entscheidender Vorteil in der heutigen Social-Media-Landschaft.


d) Community-Engagement & Beteiligung: Mehr als nur Follower – eine Bewegung

Die Linke versteht Social Media nicht nur als reinen Kommunikationskanal, sondern als Plattform zur aktiven Beteiligung ihrer Anhänger. Statt nur Inhalte zu verbreiten, lädt sie ihre Community explizit dazu ein, selbst Teil der Bewegung zu werden.


Dies geschieht auf mehreren Ebenen:


• Die Partei ermutigt ihre Anhänger regelmäßig dazu, eigene Inhalte zu erstellen, Kampagnen aktiv zu verbreiten und in Diskussionen einzusteigen. Durch die gezielte Aktivierung der Community entsteht eine starke digitale Basis, die die Sichtbarkeit der Partei zusätzlich verstärkt.


• Besonders bemerkenswert ist die schnelle und direkte Interaktion mit der eigenen Anhängerschaft. Während viele Parteien ihre Social-Media-Kanäle primär als Einbahnstraße nutzen, setzt Die Linke auf einen dialogorientierten Ansatz. Sie reagiert zügig auf Kommentare und Nachrichten, beteiligt sich an Diskussionen und zeigt dadurch eine Nahbarkeit, die klassische Parteien oft vermissen lassen.


• Zudem bietet Die Linke gezielte Call-to-Actions, die über digitale Aktivitäten hinausgehen. Sei es die Teilnahme an Protesten, das Engagement in lokalen Strukturen oder die Unterstützung von Kampagnen – die Partei schafft es, ihre Online-Community auch für reale politische Aktionen zu mobilisieren.


Diese konsequente Mitmach-Strategie sorgt für eine starke Bindung der Anhänger und macht Die Linke zu einer der aktivsten politischen Communities im digitalen Raum.


e) Emotionale Mobilisierung statt trockener Politik: Politik spürbar machen

Während viele Parteien ihre Kommunikation stark faktenbasiert und sachlich ausrichten, setzt Die Linke auf eine emotionalisierende Ansprache, die direkt bei den Menschen ankommt.


Anstatt nüchterne Erklärvideos oder lange Fachtexte zu präsentieren, setzt die Partei auf persönliche Geschichten, Empörung, Hoffnung und klare Feindbilder. Dies sorgt für eine stärkere Identifikation und macht politische Inhalte greifbarer.


Besonders wirkungsvoll ist dies in Themenfeldern wie sozialer Gerechtigkeit oder dem Kampf gegen rechte Strukturen. Hier spielt Die Linke gezielt mit Empathie und Emotionalität, um Menschen zu mobilisieren. Klare Botschaften wie „Miete runter!“ oder „Reiche besteuern!“ sind eingängig, direkt verständlich und sprechen die Emotionen der Zielgruppe an.


Diese Strategie zeigt sich auch in der visuellen und sprachlichen Gestaltung ihrer Kampagnen. Statt trockener Behörden-Sprache setzt Die Linke auf eine direkte, oft provokante Tonalität, die nah an der Sprache junger Internet-User ist. Dies sorgt für Authentizität und hebt sie von den etablierten Parteien ab.


Durch diese Kombination aus Emotionalität, Nahbarkeit und klaren Feindbildern gelingt es der Partei, nicht nur Aufmerksamkeit zu erzeugen, sondern auch politische Mobilisierung in die Breite zu tragen.


f) Mut & Ermächtigung der Strukturen

Die Linke gelingt es, ihre zahlreichen – insbesondere jungen – Mitglieder gezielt in die digitale Kommunikation einzubinden und dadurch auch erfahrene Politikerpersönlichkeiten wie Gregor Gysi zu regelrechten Kultfiguren in den sozialen Medien zu stilisieren. Dies zeigt sich vor allem in der Art und Weise, wie sie virale Inhalte kreiert und die Mechanismen sozialer Netzwerke für ihre Zwecke nutzt.


Darüber hinaus beeindruckt Die Linke durch eine zentral gesteuerte und strategisch durchdachte Kampagnenführung. Während viele Parteien in der digitalen Kommunikation oft auf dezentrale oder wenig koordinierte Ansätze setzen, schafft es Die Linke, ihre Botschaften mit hoher Disziplin und Professionalität auszurollen. Dies ermöglicht eine klare, wiedererkennbare und konsequent durchgeführte politische Kommunikation.


Ein besonders herausragendes Beispiel für diese digitale Strategie ist ihre Plattform Lissy, die aktuell unter allen politischen Parteien mit großem Abstand das beste Design-System bietet. Die Plattform kombiniert eine moderne, ästhetisch ansprechende Gestaltung mit funktionaler Nutzerfreundlichkeit, was nicht nur eine visuell kohärente Außenwirkung sichert, sondern auch die interne Organisation und Kampagnenplanung erheblich erleichtert. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, kann die Plattform hier erkunden: Lissy – Die Linke.


g) Die Bühne nutzen: Der Bundestag als virale Arena

Was erzielt die größte Reichweite bei der Linkspartei? Überraschenderweise sind es nicht die aufwendig produzierten Hochglanz-Videos. Diese haben zwar eine wichtige Funktion – sie helfen über Monate hinweg, eine Community aufzubauen und eine politische Bubble zu festigen. Doch die eigentlichen Wahlkampfschlager waren Redebeiträge aus dem Bundestag.


Aber wie können trockene Wortbeiträge im Bundestag virale Hits werden? Ganz einfach: Indem der Bundestag als Bühne der Republik verstanden wird. Die Linke setzt gezielt auf prägnante, emotionalisierende Reden, die nicht nur für das Plenum, sondern vor allem für die Öffentlichkeit geschrieben sind. Dabei werden die anderen Fraktionen oft unbewusst zu Statisten einer größeren Inszenierung, in der es nicht nur um inhaltliche Debatten, sondern um klare Botschaften und pointierte Auseinandersetzungen geht.


Das Erfolgsrezept: Keine langatmigen, zehnminütigen Aneinanderreihungen politischer Sachverhalte, sondern Reden mit einer klaren Spannungskurve, einer emotionalen Zuspitzung und einer dramaturgischen Inszenierung. Mal durch provokante Angriffe, mal durch scharfe Pointen, mal durch eindrucksvolle Redewendungen, die sich für kurze virale Clips eignen.


Dieses Prinzip verfolgt auch die AfD – mit dem Ziel, gezielt Empörung und Aufmerksamkeit zu generieren. Das sorgt in anderen Parteien oft für genervte Bemerkungen wie „Hallo TikTok“ – ein Hinweis darauf, dass sich das Format der Bundestagsreden längst verändert hat. Die Linke hat das früh erkannt und nutzt die Bühne des Parlaments nicht nur für die politische Auseinandersetzung, sondern vor allem als eine der wirksamsten Content-Quellen für ihre Social-Media-Strategie.


h) Vergleich mit anderen Parteien

Der digitale Erfolg der Linken wird besonders deutlich, wenn man ihn mit den Social-Media-Strategien anderer Parteien vergleicht. Während die AfD ebenfalls hohe Reichweiten erzielt, setzt sie auf eine völlig andere Art der Mobilisierung: Konfrontation, Skandalisierung und gezielte Provokationen, um die Algorithmen zu bedienen. Die Grünen hingegen sind stark auf Instagram präsent, erreichen dort jedoch vor allem ihre Kernzielgruppe und haben es schwerer, über ihre eigene Bubble hinauszugehen. Die CDU/CSU und die SPD hingegen haben oft mit der Herausforderung zu kämpfen, Inhalte zu erstellen, die authentisch wirken und nicht als platte Wahlwerbung wahrgenommen werden.


Die Linke hat es geschafft, sich als eine Partei zu positionieren, die gleichzeitig nahbar, provokant und professionell agiert. Während andere Parteien noch versuchen, Social Media zu „bespielen“, hat Die Linke eine digitale Kultur entwickelt, die ihre Community aktiv einbindet und als verlängerter Arm ihrer politischen Kampagnen nutzt.


i) Offline- und Online-Verzahnung

Eine der größten Herausforderungen für digitale Kampagnen ist die Übersetzung von Online-Aktivismus in reale politische Mobilisierung. Die Linke hat es geschafft, Social Media als Katalysator für Offline-Proteste, Demonstrationen und Wahlkampfaktionen zu nutzen.

Ein Beispiel hierfür sind spontane Protestaufrufe gegen soziale Ungerechtigkeit oder rechte Demonstrationen, die auf Social Media eine hohe Dynamik entwickeln und sich dann in großen realen Mobilisierungen widerspiegeln. Auch der Haustürwahlkampf und die Arbeit mit lokalen Gruppen profitieren von digitalen Netzwerken: Über Instagram und Telegram werden Unterstützer:innen gezielt koordiniert und in verschiedene Aktionsformen eingebunden.

Während viele Parteien Social Media als isolierten Kommunikationskanal betrachten, nutzt Die Linke es als zentrale Schaltstelle, um digitale Mobilisierung mit klassischer politischer Arbeit zu verbinden. Damit wird Social Media nicht nur als Reichweiteninstrument, sondern als echte politische Infrastruktur genutzt.


j) Langfristige Strategie vs. Wahlkampfmodus

Viele Parteien intensivieren ihre Social-Media-Aktivitäten nur während der heißen Wahlkampfphase. Die Linke hingegen setzt auf eine kontinuierliche, langfristige digitale Strategie. Dies bedeutet, dass sie ihre Community nicht nur im Wahlkampf mobilisiert, sondern dauerhaft in die politische Arbeit einbindet.


Ein zentraler Aspekt dieser Strategie ist die konsistente Kommunikation über politische Kernthemen. Während andere Parteien nach Wahlen ihre Social-Media-Aktivität stark reduzieren, bleibt Die Linke präsent und nutzt ihre Plattformen, um politische Debatten dauerhaft zu beeinflussen. Die Community wird dabei als eine Art digitale Basisstruktur verstanden, die weit über Wahlkämpfe hinaus aktiv bleibt.


Dies zeigt sich auch in der Art der Inhalte: Während klassische Parteien oft auf kurzfristige Wahlkampfversprechen setzen, arbeitet Die Linke mit dauerhaften Narrativen, die über Monate und Jahre hinweg aufgebaut und verstärkt werden. So entsteht eine langfristige Bindung zu Wähler:innen, die über bloße Wahlkampfkommunikation hinausgeht.




5. Was können Unternehmen und Organisationen daraus lernen?


Nicht nur Parteien können von diesen Strategien profitieren. Unternehmen, NGOs und andere Organisationen können sich einige zentrale Erfolgsfaktoren aus der Social-Media-Strategie der Linken abschauen:


Viele Unternehmen und Organisationen neigen dazu, ihre Botschaften zu verwässern, um möglichst niemanden zu verprellen. Doch das Gegenteil ist oft der Fall: Klare, polarisierende Positionen sorgen für Sichtbarkeit. Unternehmen sollten sich daher trauen, eine Haltung zu zeigen – sei es zu gesellschaftlichen Themen oder innerhalb ihrer Branche.


Ein einheitlicher Social-Media-Post auf allen Kanälen funktioniert nicht. Inhalte müssen an die jeweilige Plattform angepasst werden. TikTok erfordert kurzweilige, authentische Clips, während LinkedIn auf professionellen Mehrwert setzt. Unternehmen sollten sich die Mühe machen, ihre Inhalte für jede Plattform zu optimieren.


Ein nachhaltiger Social-Media-Erfolg entsteht nicht über Nacht. Die Linke hat gezeigt, dass es sich lohnt, kontinuierlich in den Aufbau einer aktiven Community zu investieren. Unternehmen können dies adaptieren, indem sie eine langfristige Social-Media-Strategie verfolgen und regelmäßig mit ihrer Zielgruppe interagieren.


Ein wesentlicher Erfolgsfaktor der Linken war ihr datengetriebenes Vorgehen. Unternehmen und Organisationen sollten ihre Social-Media-Daten analysieren, um herauszufinden, welche Inhalte funktionieren und welche nicht. Durch datenbasierte Optimierung lassen sich Reichweiten maximieren und Kampagnen effektiver gestalten.


Menschen reagieren auf Emotionen. Unternehmen, die ihre Kommunikation auf Storytelling, Identifikation und klare Botschaften ausrichten, erzielen eine höhere Kundenbindung. Statt nüchterner Produktwerbung lohnt es sich, Geschichten zu erzählen und emotionale Ankerpunkte zu setzen.



Fazit: Eine Blaupause für digitale Kommunikation


Die Linke zeigt eindrucksvoll, wie man mit kluger Social-Media-Strategie eine digitale Welle auslösen kann. Die Lehren aus dieser Analyse sollten nicht nur politische Akteure, sondern auch Unternehmen und Organisationen ernst nehmen – denn wer die Mechanismen der digitalen Kommunikation versteht, kann nicht nur Wahlen gewinnen, sondern auch Märkte dominieren.

 
 
 

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